Bewerbungen verwalten, ohne Sammelpostfach
Bewerbungen landen im geteilten Postfach, werden weitergeleitet, jemand antwortet, jemand nicht, und nach sechs Monaten liegen personenbezogene Daten in dutzenden Mailordnern. Das ist nicht nur unübersichtlich, sondern datenschutzrechtlich der schwächste Punkt vieler Betriebe.
Bewerbungen als Vorgang, nicht als Postfach
Bewerbermanagement führt Stellen und Bewerbungen als Vorgang: Eingang, Sichtung, Gespräch, Zusage oder Absage. Der wichtigste Teil ist selten der Ablauf, sondern das Löschkonzept — Bewerberdaten dürfen nach Abschluss des Verfahrens nicht unbegrenzt gespeichert bleiben, und ein Mailpostfach löscht nichts von allein.
Der Stand je Bewerbung ist sichtbar
Eingang, Sichtung, Gespräch, Zusage oder Absage: ein Status statt einer Rekonstruktion aus Mailverläufen.
Löschfristen laufen automatisch
Bewerberdaten dürfen nach Abschluss des Verfahrens nicht unbegrenzt liegen bleiben. Ein Postfach löscht nicht von selbst, eine Anwendung kann es.
Die Fachabteilung sieht nur, was sie braucht
Rechte je Feld statt Weiterleitung der kompletten Bewerbung. Genau hier entstehen die meisten Datenschutzverstöße im Recruiting.
Niemand bleibt ohne Antwort
Offene Bewerbungen ohne Rückmeldung sind eine Liste. Absagen sind unangenehm, aber ihr Ausbleiben ist teurer.
Wo das Sammelpostfach zum Problem wird
Eine Auskunft nach Art. 15 DSGVO trifft ein
Alle Daten zu einer Person stehen an einem Vorgang. Aus einer Suchaktion in dutzenden Mailordnern wird ein Export.
Drei Leute bewerten dieselbe Bewerbung
Bewertungen und Notizen hängen an der Bewerbung statt in getrennten Postfächern. Der Gesprächstermin ergibt sich daraus.
Eine gute Absage soll später wieder auffindbar sein
Ein Talentpool ist zulässig, wenn die Person eingewilligt hat und die Einwilligung dokumentiert ist. Beides gehört in die Anwendung.
Ein Verfahren mit Löschkonzept
Ohne automatische Löschung entsteht aus jedem Verfahren ein dauerhaftes Datenschutzrisiko.
Baue eine Anwendung für unser Bewerbermanagement. Wir legen Stellen mit Anforderungen und einer verantwortlichen Person an. Bewerbungen kommen über ein Formular mit Lebenslauf als Anhang. Der Ablauf hat die Stufen Eingang, Sichtung, Gespräch, Zusage oder Absage, mit Notizen je Stufe. Sechs Monate nach Abschluss des Verfahrens werden die Daten automatisch gelöscht, außer die Person hat einer Aufnahme in einen Talentpool zugestimmt. Die Fachabteilung sieht Qualifikationen, aber kein Geburtsdatum und kein Foto.
Das Datenmodell
stellen
|
titel,abteilung,anforderungen,verantwortlich_id,veroeffentlicht_am,besetzt_am |
bewerbungen
|
stelle_id,name,e_mail,unterlagen,eingang,stufe,abgeschlossen_am |
notizen
|
bewerbung_id,stufe,autor_id,text,erstellt_am |
einwilligungen
|
bewerbung_id,zweck_talentpool,erteilt_am,widerrufen_am |
regel: loeschung
|
6 monate nach abschluss, ausser einwilligung liegt vor |
recht: fachabteilung
|
qualifikation sichtbar, geburtsdatum und foto nicht |
Von der Mailflut zum geführten Verfahren
Stelle anlegen und Anforderungen festhalten
Bewerbungen laufen ein und durchlaufen Stufen
Nach Abschluss wird fristgerecht gelöscht
Bewerbermanagement im Vergleich
| Sammelpostfach | Bewerbermanagement-System | Chattee | |
|---|---|---|---|
| Stand je Bewerbung sichtbar | Nein | Ja | Ja |
| Automatische Löschung | Nein | Meist ja | Ja |
| Rechte je Feld | Nein | Grob | Feldgenau |
| Kosten | Keine, aber Risiko | 80–400 €/Monat | Nutzungsabhängig |
| Anpassung an euren Ablauf | Frei, ungeführt | Begrenzt | Ja |
| Datenstandort | Mailserver | Anbieterabhängig | Deutschland |
Vergleichswerte aus öffentlich einsehbaren Anbieterpreisen und Chattee-Projekten. Stand: 29.08.2026.
Recruiting nach Situation
Handwerk und Produktion
Wenige Stellen, aber hoher Zeitdruck. Wichtiger als ein ausgefeilter Ablauf ist, dass niemand unbeantwortet bleibt.
Pflege
Dauerhafte Ausschreibungen und Bewerbungen, die schnell beantwortet werden müssen, weil Bewerber mehrere Angebote haben.
Gastronomie und Handel
Viele kurzfristige Aushilfen. Ein Talentpool mit Einwilligung erspart bei jeder Saison den Neuanfang.
IT und Fachkräfte
Lange Verfahren mit mehreren Gesprächsrunden und mehreren Beteiligten, die je eigene Notizen führen.
Öffentlicher Bereich
Formale Anforderungen an Dokumentation und Gleichbehandlung, die eine nachvollziehbare Ablage voraussetzen.
Kleine Betriebe ohne Personalabteilung
Der Inhaber macht es nebenbei. Genau deshalb braucht es Fristen, an die die Anwendung erinnert.
Häufig gestellte Fragen
-
Wie lange dürfen wir Bewerberdaten speichern?
Nach Abschluss des Verfahrens gilt üblicherweise eine Aufbewahrung von etwa sechs Monaten, um mögliche Ansprüche nach dem AGG abwehren zu können. Danach ist zu löschen, sofern keine Einwilligung für einen Talentpool vorliegt.
- Was ist ein Talentpool und was ist dabei zu beachten?
- Darf die Fachabteilung alles sehen?
- Können wir Absagen automatisch versenden?
- Muss der Betriebsrat beteiligt werden?
- Gilt das auch für Österreich und die Schweiz?
- Können Bewerber ihre Daten einsehen?
- Ist das hier eine Rechtsberatung?
Das könnte dich auch interessieren
Bau euer Bewerbermanagement
Mit Fristen, Rollen und automatischer Löschung.